Forschung

Genetische Forschung

Die genetische Erforschung der ALS beschäftigt sich mit der Frage, welche Rolle unsere Erbanlagen bei der Erkrankung spielen. Forscher untersuchen dabei bestimmte Gene, bei den Veränderungen (Mutationen) das Risiko für ALS erhöhen oder die ALS direkt auslösen können. Bei einem Teil der Betroffenen wird ALS von Generation zu Generation vererbt, bei vielen anderen entsteht die Erkrankung ohne familiäre Vorbelastung, aber auch hier können genetische Faktoren beteiligt sein.

Das Ziel dieser Forschung ist besser zu verstehen warum ALS entsteht und warum sie bei jedem Menschen unterschiedlich verläuft. Besondere Bedeutung hat die genetische Forschung der ALS in den vergangenen Jahren deshalb erlangt, weil bereits eine erste gegen bestimmte Mutationen gerichtete Therapie für ALS zugelassen wurde und weitere in der Entwicklung sind. Zwei der heute bekannten Gene, deren Mutation ALS auslösen können, wurden in Ulm entdeckt. Die Bereitschaft von ALS-Patienten Proben für die Forschung zur Verfügung zu stellen war hierfür ein entscheidender Erfolgsfaktor.

Diagnostische Forschung

Ein weiterer Schwerpunkt der ALS-Forschung in Ulm ist die Forschung zur Verbesserung der Diagnostik der ALS sowie die Entwicklung von Tests, welche die Wirkung von neuen Therapien anzeigen. Dabei werden mit modernsten Methoden Markermoleküle gesucht, welche die ALS und die Aktivität der Erkrankung im Nervenwasser und Blut messbar machen. Darüber hinaus erfolgen in bestimmten Fällen auch feingewebliche Untersuchungen des Muskelgewebes von ALS Patienten.

Wie die anderen ALS Forschungsbereiche ist auch die diagnostische Forschung auf die großzügige Überlassung von sogenannten Bioproben, also Blut, Nervenwasser oder auch Gewebeproben von ALS Patienten angewiesen. Diese Proben werden dann mit hochempfindlichen Untersuchungsverfahren (z. B. mit sogenannter Massenspektrometrie) mit Proben von Menschen verglichen, welche nicht an ALS leiden. Ein Beispiel ist der bereits gut bekannte und routinemäßig verwendete Marker Neurofilamente (z.B. NfL), welcher in Ulm erstmalig als diagnostischer Marker für die ALS beschrieben wurde.

Molekulare Grundlagenforschung

Die molekulare Grundlagenforschung spielt im Ulmer ALS-Zentrum eine zentrale Rolle. Dabei wird erforscht, was genau in den von der ALS betroffenen Zellen passiert, und welche Moleküle die entscheidenden Rollen bei der Entstehung der ALS spielen.

In Ulm beschäftigen sich mehrere wissenschaftliche Arbeitsgruppen und zahlreiche Forscherinnen und Forscher mit den winzigen molekularen Bausteinen des Körpers, wie zum Beispiel Genen, Eiweißen und anderen Molekülen. Dabei geht es vor allem um eine Frage – weshalb bestimmte Nervenzellen (vor allem die von der ALS betroffenen motorischen Nervenzellen) plötzlich nicht mehr funktionieren und absterben.

Die grundlegenden Fragen drehen sich um die Prozesse in den Zellen und die Frage wie diese aus dem Gleichgewicht gekommen sind, warum manche Menschen betroffen sind, andere aber nicht. Dieses Wissen ist enorm wichtig, weil es die Basis für neue Therapien bildet. Für Patientinnen und Patienten sowie Angehörige bedeutet dies: Jeder Forschungsschritt im Bereich der Molekularen Grundlagenforschung trägt dazu bei die ALS besser zu verstehen – und gibt Hoffnung auf neue Therapien in der Zukunft.

Klinische (und genetische) Phänotypisierung

Die Grundlage für die Entwicklung neuer Therapien besteht im Verständnis der ALS und der zugrundeliegenden Ursachen. Aus diesem Grund untersuchen wir seit über 15 Jahren die ALS-Erkrankung und weitere Motoneuronerkrankungen in großen Registerstudien.

Eine Registerstudie beobachtet den individuellen Krankheitsverlauf ab ersten Symptomen und will in Gruppenuntersuchungen Muster feststellen, die Aufschluss über Ursachen, klinische Verlaufsformen, klinische Versorgung, sowie zukünftige Therapie-Ansätze gibt. Im Rahmen einer Registerstudie werden keine Therapien verabreicht.

Das Ulmer Team organisiert und koordiniert drei große Registerstudien:

  • Das Deutsche Netzwerk für ALS und Motoneuronerkrankungen (MND-NET)
  • Das Epidemiologische ALS-Register Schwaben
  • Die LUMINA-Studie