
Medizinische Versorgung
Hochspezialversorgung von ALS-Patienten im ambulanten und stationären Bereich
Die Neurologische Abteilung des Universitätsklinikums Ulm ist auf die Versorgung von ALS-Patienten im ambulanten und stationären Bereich spezialisiert. Mit jeweils mehr als 400 stationären und ambulanten Patienten pro Jahr weist sie ein weit überregionales Einzugsgebiet auf.
Patientenvorstellungen erfolgen zur Diagnosestellung (Einholung einer Expertenmeinung zur Erstdiagnostik oder Zweitmeinung), zu regelmäßigen Verlaufskontrollen, zum Einschluss in Therapiestudien (siehe dort), zur Einleitung einer nicht-invasiven Beatmungstherapie, Etablierung einer PEG-Ernährungssonde oder bei allen Arten von Komplikationen während des Krankheitsverlaufs, z. B. bei akuter Verschlechterung der Erkrankung (insbesondere der Atmung).
Wir optimieren bei ALS-Patienten die bestehende nicht-invasiven oder invasiven Heimbeatmung oder führen die Umstellung von einer nicht-invasiven auf eine invasive Heimbeatmung durch.
Es stehen sämtliche diagnostische und therapeutische Verfahren zur Verfügung. Die stationäre Versorgung erfolgt im multiprofessionellen Team unter Mitwirkung von Ärzten, spezialisiertem Pflegepersonal, Therapeuten (Atmungstherapie, Logopädie, Physiotherapie, Ergotherapie, Ernährungstherapie) und Sozialdienst.
Beatmungs- und PEG-Anlage erfolgen im interdisziplinären Team mit Anästhesie und Innere Medizin direkt vor Ort. In der Regel können diese Maßnahmen auf Normalstation in einem ruhigen und angenehmen Umfeld durchgeführt werden.
Unser Team versorgt Patienten mit ALS, welche durch Mutationen im Gen SOD1 verursacht wurde, mit genspezifischen Therapien.
Die ambulante Betreuung erfolgt durch auf ALS spezialisierte Ärztinnen und Ärzte, wobei regelmäßige Vorstellungen in 3-6-monatlichen Abständen erfolgen.
Zur Vereinbarung eines stationären Termins können Sie sich an unser Case-Management
(0731-177-5447, casemanagement.neuro@uniklinik-ulm.de) wenden.
Für einen ambulanten Termin wenden Sie sich an unsere Patientenlotsin Lisa Benz (lisa.benz@dgm.org).
Wir bitten Sie diesen Fragebogen auszufüllen und an Frau Benz zurückzusenden.
Bitte beachten Sie, dass wir für Ihre Vorstellung eine Überweisung vom Haus- oder Facharzt sowie Ihre Vorbefunde benötigen.
Hochspezialversorgung bei ALS

In der Spezialsprechstunde für Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) erhalten Patientinnen und Patienten eine umfassende neurologische Betreuung. Bei Erstvorstellungen wird zunächst die Diagnose überprüft und der individuelle Verlaufstyp der Erkrankung bestimmt. Dazu gehören auch moderne Biomarker wie Neurofilament‑Messungen, die Hinweise auf die Krankheitsaktivität geben können.
Zudem besteht Zeit für PatientInnen und Angehörige drängende Fragen zu klären, es werden mögliche Behandlungsoptionen besprochen, einschließlich medikamentöser Therapien, symptomorientierter Maßnahmen und der möglichen (selbstverständlich immer freiwilligen) Teilnahme an klinischen Studien.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Versorgung mit Hilfsmitteln sowie die Verordnung von Physio‑, Ergo‑ und Logotherapie. Es erfolgt eine Einschätzung der Atemfunktion, um falls notwendig frühzeitig über unterstützende Maßnahmen wie Atemtherapie oder Beatmung beraten zu können. Ergänzend werden Ernährungsfragen geklärt und sozialmedizinische Unterstützung angeboten. Ziel der Sprechstunde ist eine ganzheitliche, individuell abgestimmte Versorgung, die Lebensqualität und Selbstständigkeit bestmöglich erhält.




Im Verlauf der ALS kommt es zu einer zunehmenden Schwäche der Atmungsmuskulatur, die zu direkten Symptomen wie Kurzatmigkeit, aber (durch Anstieg des Kohlendioxids im Blut) auch zu indirekten Symptomen wie Tagesmüdigkeit, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen und Depression führen kann. Darüber hinaus leiden ALS-Patienten häufig an einer Sekretproblematik, wie z.B. zähem Schleim, was zu einem störenden Hustenreiz führt und das Risiko für Lungenentzündungen erhöht. Zur Behandlung dieser Symptome stehen effektive Maßnahmen, wie z.B. ein sogenannter „Hustenassistent“ oder die nicht-invasive Masken-Heimbeatmung zur Verfügung, mit denen die Lebensqualität von ALS-Patienten deutlich verbessert werden kann.
Die Atmungstherapie der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Ulm besteht aus 5 Atmungstherapeuten, in der Betreuung von Patienten mit ALS die unter Atmungsproblemen leiden geschulte und erfahrene Spezialisten. Zum Aufgabenbereich der Atmungstherapeuten gehört die Diagnostik einer Atmungsstörung (durch Maßnahmen wie die nächtliche Kohlendioxidmessung), die Einstellung einer nicht-invasiven Masken-Heimbeatmung oder (in fortgeschrittenen Krankheitsstadien und falls vom Patienten gewünscht) einer invasiven Beatmung über Luftröhrenschnitt (Tracheostoma), die Versorgung mit einer mechanischen Abhusthilfe (sog. Cough Assist/“Hustenassistent“) zur Behandlung des zähen Schleimsekrets und viele andere Maßnahmen zur Verbesserung der Atmungssituation.
Die Atmungstherapie umfasst sowohl die ambulante als auch die stationäre Versorgung, wobei die Ersteinstellung einer Beatmungstherapie stets stationär erfolgt, um eine optimale Anpassung der Heimbeatmung zu gewährleisten.
Zum Team der Atmungstherapie gehören: F. Krasowski, H. Janeck, F. Ramirez, F. Cekic und F. Boscher






Die derzeit gängige Bildgebung des Gehirns mittels Magnetresonanztomographie (MRT mit Anwendung von Standard-Protokollen mit rein visueller radiologischer Bildbetrachtung) weist gerade bei neurodegenerativen Erkrankungen Einschränkungen auf. Insbesondere subtile oder frühzeitige Veränderungen können mit diesem Vorgehen oftmals nicht verlässlich erkannt werden. Zudem kann eine Abgrenzung zwischen bestimmten Formen neurodegenerativer Erkrankungen sehr schwierig sein.
Es ist davon auszugehen, dass bestimmte Veränderungen des Gehirns nur mit speziellen neuartigen MRT-Sequenzen dargestellt werden können. Um dies weiter zu erforschen, untersuchen wir PatientInnen mit dem Verdacht auf oder der Diagnose einer neurodegenerativen Erkrankung mittels MRT-Bildgebung unter Verwendung neuartiger Methoden. Im Rahmen dieser MRT-Untersuchungen machen wir neben den Aufnahmen für die Forschung stets auch sämtliche Bilder, die bereits heute in der klinischen Diagnostik eingesetzt werden. Die gewonnenen MRT-Bilder werden sowohl wissenschaftlich als auch klinisch ausgewertet. Die Ergebnisse der Untersuchung stehen auch den behandelnden Kollegen/Kolleginnen zur weiteren Behandlungsempfehlung zur Verfügung.
Wir haben Ihr Interesse geweckt oder Sie haben Fragen? Melden Sie sich gerne!
Arbeitsgruppe „Neuroimaging“ des Zentrums für Bildgebung am Universitätsklinikum Ulm (UKU).
Prof. Dr. Dr. Nico Sollmann, B.A. (Oberarzt Neuroradiologie/Radiologie/Nuklearmedizin)
PD. Dr. Kornelia Kreiser (Sektionsleitung Neuroradiologie)
Prof. Dr. rer. nat. Hans-Peter Müller (Senior Scientist, Radiologie)
Dr. Joachim Strobel (Radiologie)
Benedek Petery (Doktorand Radiologie)

Die elektrophysiologische Diagnostik bei der ALS besteht aus einer Neurographie und Myographie (letzteres wird auch EMG genannt).
Bei der Neurographie wird die Funktion der Nerven untersucht. Dabei werden die Nerven mit kurzen Stromreizen stimuliert und in der Folge die Antwortpotentiale abgeleitet.
Bei der Myographie wird eine sehr feine Nadel in ausgewählte Muskeln gesetzt, um deren elektrische Aktivität in Ruhe und bei Muskelanspannung zu beurteilen.
Ziel der beiden genannten Untersuchungen ist es, Krankheiten der Nerven bzw. der Muskeln zu erkennen und diese voneinander zu unterscheiden. Sie helfen also bei der Diagnosestellung und dienen dazu, andere Erkrankungen auszuschließen sowie den Verlauf einer möglichen Nervenerkrankung genauer beurteilen zu können.



Als Teil des interdisziplinären Teams unseres Hauses verfolgen wir im Rahmen der Ergotherapie das Ziel, Menschen mit der Diagnose einer Motoneuronerkrankung möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Dafür arbeiten wir mit den Patienten und den Angehörigen am Erhalt von Alltagskompetenzen und einer entsprechenden Anpassung der Umwelt.
Wir bieten eine funktionelle Therapie an, um die Gelenkbeweglichkeit zu erhalten und die vorhandene Muskelkraft optimal einzusetzen. Das ist wichtig, um den Alltag selbst zu meistern oder eine mögliche Pflegesituation zu erleichtern. Dazu leiten wir auf Wunsch auch gerne die Angehörigen an.
Die Therapie wird an das jeweilige Krankheitsstadium angepasst und vorhandene Ressourcen werden genutzt. So versuchen wir die Lebensqualität unserer Patienten zu erhalten oder wieder zu verbessern.



Im Rahmen des Alltagstrainings arbeiten wir sowohl an Kompensationsstrategien, um verlorene motorische Fähigkeiten auszugleichen als auch im Bereich der Hilfsmittelberatung. Ein Teil der Hilfsmittel kann während des stationären Aufenthaltes getestet werden. In diesem Zusammenhang ist uns eine enge Zusammenarbeit mit den Angehörigen wichtig, auch um eine genaue Analyse des häuslichen Umfelds zu erhalten.
Um eine optimale Versorgung mit Hilfsmitteln für den häuslichen Alltag oder den Arbeitsplatz zu erreichen, stimmen wir uns mit den versorgenden Sanitätshäusern ab.




Bei fast allen ALS-Patientinnen und -patienten kommt es während des Krankheitsverlaufs zu einem ungewollten Gewichtsverlust, der sich ungünstig auf die Prognose der Erkrankung auswirkt. Dieser Gewichtsverlust ist durch einen sogenannten Hypermetabolismus, d.h. einem höheren Energieverbrauch, bedingt, dessen Ursache bisher noch nicht genau geklärt werden konnte. Die Ernährungstherapie bei ALS zielt daher auf eine Zurverfügungstellung einer ausreichenden Kalorienmenge in Form von hochenergetischen Energieträgern ab. Bisherige Ernährungsstudien (z.B. die LIPCAL-ALS-I-Studie) weisen darauf hin, dass die richtige Ernährung zu einer deutlichen Verbesserung der Prognose im Sinne einer Verlangsamung des Fortschreitens der Erkrankung führen kann.
Nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft könnten sich hierfür Fett und ggf. auch Ketonkörper (entweder direkt verabreicht oder in Form einer ketogenen Diät) besonders gut eignen.
Unser Ernährungsteam besteht aus spezialisierten ALS-Ärztinnen und -Ärzten, Studienkoordinatorinnen und einer Ernährungsberaterin. Wenn Sie sich für eine der o.g. Studien interessieren oder hierzu Fragen haben, nehmen Sie gern mit Frau Fröhlich (elke.froehlich@uni-ulm.de) oder Frau Ruschitzka (tanja.ruschitzka@uniklinik-ulm.de) Kontakt auf.

In unserer Abteilung werden deshalb aktuell Studien mit diesen speziellen Ernährungsformen durchgeführt.
Hierbei handelt es sich zum einen um die LIPCAL-ALS-II-Studie, bei der eine hochkalorische, fettreiche Nahrungsergänzung getestet wird, zum anderen die PEGASUS-Studie, bei der hochkalorische und ketogene Diäten bei Patienten getestet werden, die über eine perkutane endoskopische Gastrostomie (PEG) ernährt werden.
Bisherige Ernährungsstudien (z.B. die LIPCAL-ALS-I-Studie) weisen darauf hin, dass die richtige Ernährung zu einer deutlichen Verbesserung der Prognose im Sinne einer Verlangsamung des Fortschreitens der Erkrankung führen kann.

Neueste genetische Methoden haben zur Entdeckung zahlreicher Gene geführt, deren Veränderungen (Mutation) ALS verursachen kann. Diese Gene sind die Basis für viele wissenschaftliche Forschungsprojekte im experimentellen und grundlagenwissenschaftlichen Bereich. Diese Entdeckungen haben das Verständnis der ALS in den vergangenen 10 – 20 Jahren grundlegend verändert.
Seit wenigen Jahren hat die genetische Forschung an der ALS jedoch einen weiteren, entscheidenden Erfolg bewirkt: Erstmalig wurde ein Medikament zugelassen, welches direkt an der genetischen Ursache eines kleinen Teils der ALS-Erkrankungen angreift (das sogenannte Antisenseoligonukleotid Tofersen, welches bei Vorliegen einer Mutation im Gen SOD1 wirksam sein kann). Obwohl dieses Medikament bislang nur für eine kleine Untergruppe der ALS Patienten in Frage kommt, stellt es dennoch einen therapeutischen Durchbruch dar, weil es sich hier um einen ursächlichen Therapieansatz handelt. Das heißt, die Erkrankung wird direkt an der Wurzel – in den entsprechenden Fällen an der Genmutation – angegriffen. Dieser Erfolg hat zu einem Umdenken geführt und zahlreiche weitere Forschungsprojekte in Universitätslaboren sowie in Unternehmen der pharmazeutischen Industrie angestoßen.
Aktuell befinden sich bereits mehrere weitere Genspezifische Therapieansätze in der klinischen Entwicklung. Besonders hervorzuheben ist die Tatsache, dass auch Genspezifische Therapien für Patienten entwickelt werden, bei denen keine Mutation in einem der bekannten ALS-Gene gefunden werden konnte.
Der Erfolg des ersten Genspezifischen Medikaments sowie die Aussicht auf weitere, ähnliche Therapiemöglichkeiten hat auch zu einem Umdenken in Bezug auf die Empfehlung einer genetischen Untersuchung von ALS-Patienten geführt, da diese Untersuchung nun Konsequenzen für die Therapie haben kann. Wir bieten mittlerweile auch Patienten bei denen die ALS nicht gehäuft in der Familie auftritt eine genetische Testung an, da sich auch hier manchmal genetische Ursachen finden lassen. Zuvor muss jedoch eine ausführliche, kompetente Aufklärung erfolgen (siehe Neurogenetik Sprechstunde)

Die Logopädie ist ein zentraler Bestandteil der Versorgung von Menschen mit Amyotropher Lateralsklerose (ALS). Unser spezialisiertes Team begleitet Patientinnen und Patienten dabei, Sprech- und Schluckfunktionen möglichst lange zu erhalten und Kommunikationsmöglichkeiten individuell anzupassen.
ALS kann zu Veränderungen der Artikulation, der Stimme und der Sprechgeschwindigkeit führen. In der Logopädie unterstützen wir Betroffene dabei, die Verständlichkeit ihrer Sprache zu verbessern, ökonomische Sprechtechniken zu entwickeln und die vorhandenen Ressourcen möglichst lange zu nutzen. Zudem beraten wir frühzeitig zu unterstützenden Kommunikationsformen, damit ein nahtloser Übergang zu Hilfsmitteln gewährleistet ist, wenn die Lautsprache im Verlauf schwieriger wird.
Schluckstörungen treten bei vielen ALS-Betroffenen auf und können zu Gewichtsverlust oder Aspirationsrisiken führen. Wir führen sowohl klinische als auch apparative Schluckdiagnostik durch und entwickeln darauf aufbauend individuelle Therapiepläne. Dabei vermitteln wir sichere Schlucktechniken, geben Empfehlungen zur geeigneten Nahrungs- und Flüssigkeitskonsistenz und begleiten Patientinnen und Patienten bei der Entscheidungsfindung zu einer PEG-Anlage.
Wenn die Fähigkeit zur Lautsprache nachlässt, beraten wir umfassend zu alternativen Kommunikationsmöglichkeiten. Dazu gehören einfache Hilfsmittel wie Buchstabenkarten ebenso wie elektronische Kommunikationsgeräte oder Augensteuerungssysteme. Wir unterstützen bei der Auswahl, der Anpassung und dem Training dieser Hilfen und arbeiten eng mit Hilfsmittelanbietern zusammen.
Bei 5-10% der ALS-Fälle der ALS-Fälle liegt eine positive Familienanamnese vor (familiäre ALS). Aber auch Patienten mit sporadischer ALS (also ohne positive Familienanamnese) tragen in 10-15% der Fälle ursächliche Genvarianten. Je nach Vererbungsmodus können mehrere Familienmitglieder über mehrere Generationen hinweg betroffen sein. Manche Genveränderungen sind nur inkomplett penetrant, das heißt, sie führen nicht immer zum Ausbruch der Erkrankung und können Generationen überspringen. Manche erblichen Veränderungen können in derselben Familie unterschiedliche Verläufe und gar unterschiedliche Krankheitsbilder auslösen.
Das Wissen darum, ob eine Erkrankung genetisch bedingt ist, ist prognostisch, aber zunehmend auch therapeutisch relevant, da für eine wachsende Anzahl neurodegenerativer Erkrankungen genspezifische Therapien zugelassen werden oder sich in der klinischen Testung befinden. Eine genetische Testung, insbesondere eine sogenannte prädiktive Testung (also vor Ausbruch der Erkrankung), erfordert vor Einleitung stets eine eingehende Aufklärung. Hierbei ist insbesondere auch auf die potenziell schwerwiegenden psychologischen Auswirkungen eines pathologischen Befundes hinzuweisen.
Die Diagnose einer genetischen Erkrankung bzw. einer Veranlagung kann Konsequenzen für das Leben bzw. auch die Lebensplanung der/s Betroffenen und ihrer/seiner Familie haben. Auch muss darauf hingewiesen werden, dass eine genetische Testung nicht immer zu einem eindeutigen Ergebnis führt (sogenannte Varianten unklarer Signifikanz, d.h. es bleibt unklar, ob es sich um eine schädliche oder gutartige Genvariante handelt), woraus sich eine mitunter belastende Unsicherheit ergibt. Sobald das Ergebnis der genetischen Untersuchung vorliegt, erfolgt eine persönliche Besprechung des Befundes und der weiteren diagnostischen und ggf. therapeutischen Schritte.

Der Fokus der medizinischen Versorgung durch unser neuropsychologisches Team liegt in der Unterstützung und Versorgung der ALS-Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörigen und stellt somit einen zentralen Bestandteil der interdisziplinären Betreuung dar. Aufgrund des progredienten Verlaufs der Erkrankung, der nicht nur motorische, sondern auch kognitive und emotionale Veränderungen bei einigen Patientinnen und Patienten umfasst, kommt der Neuropsychologie eine wichtige Rolle in Diagnostik, Beratung und Begleitung zu.
Ein Schwerpunkt unserer Arbeit liegt in der Erfassung von Veränderungen der Kognition, also im Denken, der Wortfindung und dem Problemlösen der Patientinnen und Patienten. Dabei werden im Rahmen einer umfassenden neuropsychologischen Diagnostik die kognitiven Funktionen wie Aufmerksamkeit, Gedächtnis, exekutive Funktionen und Sprache erfasst. Bei einem Teil der Betroffenen treten zusätzliche Veränderungen auf, die die soziale Interaktion der Patienten beeinträchtigen können, wie beispielsweise Verhaltensauffälligkeiten, verminderte Impulskontrolle oder eingeschränkte soziale Kognition. Gerade diese Veränderungen sind belastend für die Patienten, aber vor allem auch für die Angehörigen und Familien. Deswegen ist die frühzeitige Erkennung solcher Veränderungen essenziell, damit nicht nur die Diagnose korrekt gestellt werden kann, sondern auch damit die Patientinnen und Patienten sowie ihre Familien informiert und umfassend beraten werden können.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der psychologischen Unterstützung der Patientinnen und Patienten. Die Diagnose ALS stellt eine erhebliche psychische Belastung dar, die mit Angst, gedrückter Stimmung, Trauer und existenziellen Fragen einhergehen kann. Jeder Patient geht anders mit der Diagnose um und jeder Patient entwickelt, wenn überhaupt, zu unterschiedlichen Zeitpunkten das Bedürfnis nach Unterstützung. Das neuropsychologische Team bietet hier stabilisierende Gespräche, fördert Coping-Strategien und unterstützt die Krankheitsverarbeitung, wobei ein zentraler Fokus auf der sozialen Teilhabe und Integration der Patientin und Patienten liegt. Dabei wird stets auf die individuellen Bedürfnisse und Ressourcen der Betroffenen eingegangen, sodass der Patient im Rahmen seiner Möglichkeiten Entlastung erfahren kann.
Ebenso wichtig ist die Einbeziehung der Angehörigen. Diese sind oft stark belastet und übernehmen im Verlauf der Erkrankung zunehmend pflegerische Aufgaben, die meist mit erheblichen emotionalen, zeitlichen und persönlichen Veränderungen verbunden sind. Unser Team berät Angehörige im Umgang mit der Erkrankung, inklusive der kognitiven und Verhaltensveränderungen, und bietet bei Bedarf psychosoziale Unterstützung.
Insgesamt ist das Ziel des Teams der Neuropsychologie, die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen möglichst lange zu erhalten, Belastungen zu reduzieren und eine ganzheitliche Begleitung im Krankheitsverlauf sicherzustellen.
Hierfür stehen wir gerne für Sie zur Verfügung.
Das Team der Neuropsychologie

Eine ALS-Erkrankung verändert vieles. Umso wichtiger ist es, dass sich Patientinnen und Patienten gut begleitet und verstanden fühlen. Die Physiotherapie ist ein fester Bestandteil der Behandlung und unterstützt dabei, Beweglichkeit, Selbstständigkeit und Lebensqualität so lange wie möglich zu erhalten.
In der neurologischen Universitätsklinik werden Patientinnen und Patienten mit ALS von einem erfahrenen und speziell ausgebildeten Team aus Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten begleitet. Die Therapie richtet sich nach aktuellen medizinischen Empfehlungen und wird individuell an die persönliche Situation angepasst.
Ziel der Physiotherapie ist es, alltägliche Bewegungen zu unterstützen – zum Beispiel das Gehen, Aufstehen, Umdrehen im Bett oder sicheres Sitzen. Sanfte Übungen helfen dabei, beweglich zu bleiben und Schmerzen, Verspannungen oder Gelenksteife vorzubeugen. Dabei achten die Therapeutinnen und Therapeuten darauf, dass die Übungen nicht überfordern und an die jeweilige Belastbarkeit angepasst sind.


Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist die Atemtherapie. Sie unterstützt die Atmung, erleichtert das Abhusten und kann helfen, sich weniger schnell erschöpft zu fühlen. Zusätzlich beraten die Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten zu Hilfsmitteln, Lagerungen und Bewegungsstrategien, die den Alltag erleichtern und Energieressourcen schonen.
Die physiotherapeutische Behandlung wird im Verlauf der Erkrankung regelmäßig angepasst. In enger Zusammenarbeit mit Ärztinnen und Ärzten sowie anderen Therapiebereichen entsteht so eine umfassende Betreuung. Ziel ist es, Patientinnen und Patienten fachlich kompetent, einfühlsam und zuverlässig zu unterstützen.


Bei der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) kann im Verlauf auch die Atemmuskulatur betroffen sein. Veränderungen der Atmung treten häufig zuerst im Schlaf auf und können zu nicht erholsamem Schlaf, morgendlichen Kopfschmerzen, Tagesmüdigkeit oder Luftnot führen. Eine frühzeitige schlafmedizinische Abklärung kann Beschwerden lindern und die Lebensqualität verbessern.
Als neurologisches Zentrum für ALS betreuen wir viele Patientinnen und Patienten auch in unserem Schlaflabor und bieten insbesondere eine speziell auf ALS abgestimmte Diagnostik an.
Die wichtigste Untersuchung in unserem Schlaflabor ist die sogenannte Polysomnographie. Dabei werden während des Schlafs gleichzeitig verschiedene Körperfunktionen gemessen, unter anderem Atmung, Sauerstoffgehalt im Blut, Herzfrequenz, Gehirnaktivität und Muskelbewegungen. So können Schlafqualität und nächtliche Atmung genau beurteilt werden. Die Untersuchung ist schmerzfrei und wird individuell angepasst.
Bei einer nächtlichen Atemschwäche kann eine unterstützende nächtliche Beatmung über eine Atemmaske die Atmung entlasten und Beschwerden deutlich verbessern. Die Betreuung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit unserer neurologischen ALS-Sprechstunde.
Als spezialisiertes Zentrum sind wir auch wissenschaftlich aktiv und führen in unserem Schlaflabor Untersuchungen im Rahmen von Studien zu ALS durch. Die Teilnahme ist freiwillig und erfolgt nach ausführlicher Aufklärung.


